Wenn Quentin Tarantino über Filme spricht, hört man besser genau zu. Denn selten geht es ihm nur um Technik oder Zitate, sondern um Gefühle, Erinnerungen und das, was Kino mit uns macht. Genau so ist es auch bei einem Western, den er für einen der besten Abenteuerfilme aller Zeiten hält.
Tarantino und seine Liebe zum Western
Dass Tarantino dem Western verfallen ist, wisst ihr längst. Schon in Kill Bill blitzten Genre-Anleihen auf, bevor er mit Django Unchained und The Hateful Eight gleich zwei sehr unterschiedliche Western drehte. Besonders Italo-Western haben es ihm angetan – nicht zuletzt wegen der Musik von Ennio Morricone und der Filme von Sergio Leone. Doch Tarantinos Filmherz schlägt nicht nur für staubige Duelle aus Italien. Auch der klassische Hollywood-Western ist für ihn eine zentrale Inspirationsquelle. Und hier kommt ein Film ins Spiel, der für ihn alles vereint, was großes Kino ausmacht.
Warum ausgerechnet Rio Bravo?
Für Tarantino gibt es keinen John-Wayne-Film, der an Rio Bravo heranreicht. Der 1959 erschienene Western von Howard Hawks zeigt Wayne als Sheriff John Chance, der einen Mörder festsetzt und sich daraufhin gegen dessen mächtigen Bruder behaupten muss – eine Situation, die bald die ganze Stadt bedroht.
Was den Film für Tarantino so besonders macht, ist nicht nur die Handlung. Er nennt Rio Bravo einen der größten Western, einen der besten Filme von John Wayne – und gleichzeitig einen der besten Abenteuerfilme überhaupt. Das klingt groß, ist für ihn aber ganz logisch.
Ein „Hangout-Film“ im Western-Gewand
Tarantinos vielleicht spannendste Einordnung: Rio Bravo ist für ihn ein sogenannter Hangout-Film. Also ein Film, in dem ihr so viel Zeit mit den Figuren verbringt, dass sie euch irgendwann wie Freunde vorkommen. Er beschreibt es so: Manche Filme brauchen ihre Laufzeit, um euch über die Oberfläche der Figuren hinauszuführen. Erst dann entsteht Nähe. Rio Bravo nimmt sich genau diese Zeit. Wenn der Abspann läuft, habt ihr das Gefühl, jemanden zu verlassen, den ihr wirklich kennt. Und genau deshalb, so Tarantino, funktioniert der Film auch beim x-ten Wiedersehen. „Wenn er vorbei ist, sind sie deine Freunde.“
Eine sehr persönliche Film-Erinnerung
Tarantinos Verbindung zu Rio Bravo ist auch biografisch geprägt. Er sah den Film erstmals im Alter von fünf Jahren – gemeinsam mit seiner Urgroßmutter. Damals liebten ihn beide, doch erst Jahre später entdeckte Tarantino den Film bewusst wieder, als er sich intensiver mit dem Werk von Howard Hawks beschäftigte. Dieser Moment der Wiederentdeckung machte aus einem schönen Kindheitserlebnis einen lebenslangen Lieblingsfilm. Tarantino sagt selbst, er habe Rio Bravo so oft gesehen, dass er davon fast Kopfschmerzen bekommen habe. Ein größeres Kompliment gibt es aus seinem Mund kaum.
Mehr als Nostalgie
Dass Rio Bravo bis heute funktioniert, liegt nicht nur an Nostalgie. Der Film lebt von Figuren, Dialogen und einer Wärme, die viele moderne Western bewusst vermeiden. Genau darin liegt aber seine Stärke. Er schießt nicht schneller als andere – er bleibt länger. Wenn Tarantino sagt: „Wenn er vorbei ist, sind sie deine Freunde“, dann meint er genau das. Und vielleicht ist das die höchste Form von Kino, die ein Film erreichen kann.
Wusstet ihr schon?
Rio Bravo gilt nicht nur als einer der bekanntesten Filme von John Wayne, sondern auch als bewusste Antwort von Regisseur Howard Hawks auf den Western High Noon. Hawks wollte zeigen, dass ein Western nicht von Angst und Isolation, sondern von Zusammenhalt, Freundschaft und Gemeinschaft getragen werden kann.
Quellen
- FILMSTARTS – „Einer der besten Abenteuerfilme“: Quentin Tarantino kommt bei diesem Western-Klassiker aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus
- IMDb – Rio Bravo (1959)
- The Criterion Collection – Hintergrundinfos zu Rio Bravo
- BFI – Analyse von Rio Bravo und Howard Hawks
- Deadline – Interviews und Zitate von Quentin Tarantino



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