Jahre lang hab ich dem Releasedatum von Baldur’s Gate 3 entgegengefiebert. Bereits jeder Trailer, jede Ankündigung zu dem Rollenspiel hat mich darauf hoffen lassen, eine hervorragende Storyline wie aus Divinity Original Sin I & II mit neuer Grafik, spannenden Charakteren und einer zu erkundenden Welt voll reicher Geschichte zu erhalten. Was soll ich sagen? Enttäuscht hat das finale Produkt dabei zu keinem Zeitpunkt. Larian Studios wusste schon lange, wie man dem Spieler so viel Freiheit in der Erkundung von Welten lässt, wie die technischen Möglichkeiten zum Release-Zeitpunkt hergaben.
Warum die Freiheit für Spieler die höchste Kunst von Rollenspielen ist
Doch was unterscheidet ein gutes Rollenspiel eigentlich von einem schlechten Titel? Die Meinungen darunter gehen sicherlich auseinander, da Geschmäcker unterschiedlich ausfallen. Für mich ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal eines Rollenspiels, wie viel Freiheiten es einem Spieler dabei einräumen kann. Dabei erinnere ich mich gern nostalgisch daran zurück, wie ich bei meiner ersten Partie von Divinity Original Sin feststellen musste, dass ich im Kampfsystem Kettenreaktionen über die Umgebung auslösen konnte. Divinity war damals das erste Game, das ich gespielt hatte, das so viel Freiheit in der Interaktion mit der Umwelt ermöglichte. Besonders gefiel mir daran, wie viel es an Effekten zu entdecken gab. Sei es von Giftgaswolken, die man mit ein wenig Feuer in die Luft jagen konnte oder Flüssigkeiten, die sich unter Strom setzen ließen. Ein Rollenspiel ist umso schöner, je mehr Geheimnisse es birgt, die vom Spieler entdeckt werden können.
Wusstet ihr schon?
„Baldur’s Gate 3“ integriert das Dungeons & Dragons 5th Edition-Regelwerk, was für authentische Rollenspielerlebnisse sorgt.
Baldur’s Gate 3 hat diese Kunst für mich auf eine neue Stufe gehoben. Nicht nur auf grafischer Ebene, sondern auch in der Vielfalt, wie sehr die Entscheidungen, die du während der Spielverläufe triffst, echte Änderungen im Geschehen hervorrufen können. Einige Textdialoge sind so selten, das nur Spieler sie faktisch überhaupt je zu sehen bekommen. Dennoch hat ein ganzes Team Herzblut darin investiert, um ein rundum erfolgreiches Spielerlebnis zu bieten. Doch egal wie gut ein Rollenspiel ist, irgendwann erreichst du den Moment, in dem du dich nach einem neuen Titel umsehen musst. Für mich sind diese fünf Hits klare Alternativen zu Baldur’s Gate 3:
- Pathfinder: Wrath of the Righteous
- Dragon Age: The Veilquard
- Divinity Original Sin 2
- Tyranny
- Pillars of Eternity 2
Pathfinder: Wrath of the Righteous – die beste Baldur’s Gate 3 Alternative
Pathfinder: Wrath of the Righteous darf für mich in dieser Liste nicht fehlen. Es ist das vielleicht einzige Rollenspiel nach heutigem Stand, das den Wiederspielwert von Baldur’s Gate 3 echte Konkurrenz bereitet. Der Spieler landet als Kreuzfahrer in Kenabres und soll im Auftrag von Königin Galfrey einen Kreuzzug gegen die Dämonen führen. Was sich zunächst nach einem klassisch linearen Storyverlauf anhören mag, könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein. Denn die Geschichte des Rollenspiels kann sich in unzählige Wege und Routen auffächern, bei denen die Entwicklung deines eigenen Charakters im Fokus steht. Dazu überzeugt die Geschichte mit einem stimmigen und mitreißenden Aufbau, der sich durch deine Entscheidungen stark mitgestalten lässt.
Das Schicksal deiner Gefährten liegt ebenso in deinen Händen wie das Schicksal der Welt und der ihr zugefügten Weltenwunde, die den Dämonen den Einfall in die Dimension erst ermöglicht hat. Was ich besonders lohnenswert an Pathfinder: Wrath of the Righteous finde sind die vielen unterschiedlichen Arten, wie du die Geschichte zu Ende bringen kannst. Je nachdem wie aufmerksam du bist und wie viel du über entscheidende Akteure erfährst, gestaltet sich die dargestellte Wahrheit für deinen Charakter und die Geschicke der Welt völlig anders. Sollte dich das Spielprinzip überzeugen, bietet dir der Entwickler Owlcat Games im Übrigen weitere Titel, die du dir genauer ansehen solltest. Darunter vor allem Pathfinder: Kingmaker, das wie WOTR eine ordentlich ausgearbeitete Storyline bietet, bei der sich mehr als eine Spielsession lohnt.

Dragon Age: The Veilquard
Von allen Spieltiteln in dieser Liste ist Dragon Age: The Veilguard der jüngste und damit der grafisch am anspruchsvollsten umgesetzte. Besonders spannend ist der neue Teil für alle, die bereits ihre Freude mit älteren Dragon Age-Titeln hatten. Denn gerade die Storyline, die in Dragon Age: Inquisition geendet hat, finden hier einen gelungen Abschluss. Das Spiel bietet dir einige ausgearbeitete Charaktere mit eigenen Geschichten und Motivationen, die sich doch passend in das Gesamtgeschehen der Weltgeschichte einfügen.
Im Vergleich hat Dragon Age: The Veilguard für mich jedoch weniger Wiederspielwert als andere Titel in dieser Liste. Auch wenn die vielen Charaktere die Geschichte aufwerten und ihre eigenen Storylines Auswirkungen auf das Gesamtgeschehen haben, sind die Auswirkungen wesentlich schwächer. Zeitweise können sich die Charaktere auch etwas eindimensionaler anfühlen, wenn ich sie mit etwa mit Baldur’s Gate 3 oder Pathfinder: Wrath of the Righteous vergleiche. Nichtsdestotrotz ist der jüngste Dragon Age Titel ein gelungenes Rollenspiel, das sich seine Position in dieser Liste redlich verdient hat. Wer ein actiongeladenes Kampfsystem gegenüber strategischen Ansätzen bevorzugt dürfte hier vor allem auf seine Kosten kommen.

Divinity Original Sin 2
Diviinity Original Sin 1 &2 stammen beide ebenso direkt aus dem Hause Larian Studios. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, kannst du dich in Divinity Original Sin 2 auf eine Spielwelt freuen, die zum Entdecken einlädt. Die Möglichkeiten wie Gamer mit ihrer Umgebung interagieren können ähnelt dabei dem Vorgänger und unterhält ebenso hervorragend. Allerdings liegt der Fokus bei Divinity Original Sin 2 etwas mehr auf verschiedenen Gefährten, während der erste Teil zwar ebenfalls Gefährten bot, die du auftreiben konntest, aber sie weniger stark als dein Anfänger-Duo an Charakteren in den Fokus stellte. Für mich bildet das Rollenspiel eine Art Vorgänger zu Baldur’s Gate 3 und einen würdigen Anschluss zu Divinity Original Sin 1.

Tyranny
Natürlich darf auch Tyranny in dieser Liste nicht fehlen. Das Game mag mit einem Releasedatum aus dem Jahr 2016 keineswegs der neuste Titel sein. Auch grafisch kann es mit neueren Spielen wie Baldur’s Gate 3 oder Dragon Age: The Veilguard nicht mithalten. Die Stärken des Games liegen an einer ganz anderen Stelle. Denn es wirft dich inmitten eine Welt, in der das Böse bereits gesiegt zu haben scheint und die Armeen des Overlords über die Zukunft der Welt entscheiden sollen. Du kannst somit in die Rolle eines der „Bösen“ schlüpfen. Je nach den Entscheidungen, die du während des Games triffst, kannst du die Geschicke der Welt und den Verlauf der Story dabei in gänzlich andere Richtungen lenken.
Dabei sorgt Tyranny inklusive all der verfügbaren Addons stets für eine Menge Spaß und einige Geheimnisse, die du aufdecken kannst. Je nach Verlauf kannst du unterschiedliche Gefährten für dich gewinnen und deren Geschichten miterleben. Das Game überzeugt für mich vor allem durch einen Mehrspielwert und das Gefühl, das deine Entscheidungen echte Konsequenzen für den Verlauf der Spielwelt nach sich ziehen. Im Vergleich zu neueren Titeln sind deine Entscheidungsmöglichkeiten jedoch viel eingeschränkter, weshalb sich die Storyline beim mehrfachen Spielen linear anfühlen kann. Tyranny stammt dabei im übrigen aus dem gleichen Entwicklerstudio, das uns auch Pillars of Eternity 1 & 2 beschert hat. Obsidian Entertainment ist somit ein Name, den ihr euch merken solltet, wenn euch das Game überzeugen konnte.

Pillars of Eternity 2: Deadfire
Die Story von Pillars of Eternity 2: Deadfire ist ähnlich komplex, wie beim Vorgänger Pillars of Eternity. Erneut findest du dich in der mystischen Welt von Eothas wieder, durchstreifst jedoch ein großes Archipel voll Inselketten. Auch hier bieten dir Quests viele unterschiedliche Ausgänge und Entscheidungsmöglichkeiten, die sogar teilweise auf dem aufbauen können, was du im ersten Teil des Games mit deinen Charakter erreicht hast. Deswegen können beide Titel auch zum gemeinsamen wiederholten Durchspielen einladen. An Gefährten mangelt es dir in Pillars of Eternity weder im ersten noch im zweiten Teil der Spielereihe.
Sie alle bringen ihre eigenen Motivationen, Hintergründe und Eigenheiten mit, die unterhaltsam wirken. Das Spiel setzt dabei weniger auf bildgewaltige Grafik und Spezialeffekte und mehr auf die ausführlich geschriebenen Passagen, die das Spielgeschehen stark mitvorantreiben. Ein unterhaltsamer Bonus im Vergleich zum Vorgänger sind die textbasierten Schiffskämpfe, die erst in Deadfire aufgetaucht sind. Wer eine Geschichte bevorzugt, die durch eine ausgearbeitete Welt mit einer gut ausgearbeiteten Storyline überzeugt, sollte dem Titel und seinem Vorgänger definitiv eine Chance einräumen.

Baldur’s Gate 3 bringt den Hype um Rollenspiele zurück
Titel wie Baldur’s Gate 3 und Dragon Age: The Veilguard haben die hohe Kunst der Rollenspiele passend für dieses Jahrzehnt aufbereitet und einige neue Impulse in der Branche gesetzt. Entwickler haben am Beispiel von BG3 gesehen, wie stark die Auswirkungen eines gut ausgearbeiteten Rollenspiels sein können und wie weit dessen Erfolg reichen kann. Ich hoffe somit, dass die neuesten Titel nicht die letzten großartigen Rollenspiele sein werden, auf die wir uns innerhalb der nächsten Jahre freuen dürfen. Neuigkeiten rund um The Elder Scrolls 6 lassen bedauerlicherweise auf sich warten. Dafür scheint Avowed als jüngster Teil von Obsidian Entertainment gute Chancen zu besitzen, sich als eines der besten Rollenspiele dieses Jahres durchzusetzen. Schon jetzt vergleichen viele das Spiel mit Titeln wie Skyrim und Gothic. Mich reizt es vor allem, die Begleiter darin kennenzulernen, um zu sehen, ob es mich ähnlich begeistern kann, wie die hier vorgestellten Titel.



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