Habt ihr euch beim Besuch in der Buchhandlung auch schon über die schier endlose Flut an neuen Taschenbüchern gewundert? Die Regale biegen sich unter dem Gewicht asiatischer Zeichenkunst, doch hinter den Kulissen der bunten Glitzerwelt braut sich aktuell ein heftiger Sturm zusammen.
Ein bekannter Verlag malt plötzlich pechschwarze Wolken an den Himmel der Comicwelt und sorgt damit branchenweit für gewaltiges Aufsehen!
Wenn ihr eure hart verdienten Euros in fantastische neue Welten investiert, erwartet ihr logischerweise großartige Unterhaltung. Die letzten Jahre glichen für die Verlage einem wahren Goldrausch, denn die Begeisterung für fernöstliche Geschichten kannte scheinbar überhaupt keine Grenzen. Doch kurz vor dem Start der Leipziger Buchmesse platzt nun eine angebliche Bombe, die viele leidenschaftliche Sammler zutiefst verunsichert. Während ein großer Anbieter nämlich lautstark den unweigerlichen Untergang des goldenen Zeitalters beschwört, reiben sich andere Experten nur verwundert die Augen. Wir werfen gemeinsam einen genauen Blick auf diese wilde Debatte und klären auf, warum euer liebstes Hobby vielleicht gar nicht so stark in Gefahr schwebt, wie es auf den allerersten Blick den Anschein erweckt.
Ein gigantisches Überangebot
Der beliebte Hamburger Tokyopop Verlag schlägt momentan sehr laute Alarmglocken. Der Marketingchef des Unternehmens verkündete kürzlich völlig überraschend das Ende des jahrelangen Höhenfluges. Die Begründung für diese düstere Prognose klingt durchaus logisch. Immer mehr Anbieter fluten den Markt monatlich mit einer wahren Welle an Neuerscheinungen. Die Regale in den Läden wachsen jedoch nicht magisch mit und auch euer monatliches Budget für neue Comics ist logischerweise stark begrenzt.
Aufgrund dieser extremen Konkurrenzsituation sinken laut dem Hamburger Unternehmen die Verkaufszahlen einzelner Serien merklich ab. Als direkte Konsequenz aus dieser Entwicklung müssen die Preise für die Taschenbücher leider spürbar angehoben werden. Für euch als treue Leser bedeutet das am Ende des Tages, dass ihr für euer Geld schlichtweg weniger Lesestoff bekommt. Doch ist die Situation wirklich überall so dramatisch oder handelt es sich hierbei nur um ein isoliertes Problem eines einzigen Verlages?
Heftiger Widerspruch aus der gesamten Branche
Die düsteren Worte aus Hamburg stießen bei der Konkurrenz auf massiven Widerstand. Nahezu alle anderen großen Verlage widersprechen der Theorie vom platzenden Traum vehement. Bei Cross Cult verweist man zwar auf eine leicht gesunkene Absatzmenge pro Serie, sieht die allgemeine Begeisterung der Leser aber weiterhin ungebrochen. Zur Verdeutlichung der schieren Masse nennen die Experten eindrucksvolle Zahlen. Im Pandemiejahr zweitausendzwanzig erschienen rund eintausendzweihundert neue Titel, während es im Jahr zweitausendfünfundzwanzig bereits über zweitausendzweihundert waren.
Auch Branchenriesen wie Carlsen oder Panini blicken auf enorm erfolgreiche Zeiten zurück. Carlsen meldet für den gesamten deutschsprachigen Raum unfassbare Umsätze von über einhundert Millionen Euro im Bereich der japanischen und koreanischen Comics. Das entspricht einem gigantischen Wachstum von einhundertfünfzig Prozent im Vergleich zum Jahr zweitausendneunzehn. Altraverse Gründer Joachim Kaps bringt es treffend auf den Punkt. Er sieht lediglich eine leichte Beruhigung der extremen Verkaufszahlen aus der Coronazeit, da die Menschen nun wieder mehr Zeit an der frischen Luft verbringen.
Der wahre König kommt aus Europa
Trotz all der hitzigen Diskussionen um japanische Zeichner und koreanische digitale Werke gibt es einen heimlichen Sieger, der über allen anderen thront. Wenn ihr glaubt, dass flinke Ninjas oder dämonische Kämpfer die absoluten Verkaufsschlager sind, liegt ihr nämlich völlig falsch. Der absolute Spitzenreiter des vergangenen Jahres stammt direkt aus unserem Nachbarland Frankreich.
Das einundvierzigste Abenteuer der unbeugsamen Gallier brach sämtliche Rekorde auf dem hiesigen Markt. Der Band Asterix in Lusitanien wanderte im deutschsprachigen Raum unfassbare anderthalb Millionen Mal über die Ladentheken. Dies zeigt eindrucksvoll, dass gedruckte Bildergeschichten weiterhin extrem lebendig sind. Ihr könnt also ganz beruhigt aufatmen und euch auf viele weitere großartige Abenteuer in gedruckter Form freuen.
Wusstet ihr schon?
- Der Hamburger Verlag Tokyopop brachte Anfang der zweitausender Jahre die original japanische Leserichtung von rechts nach links nach Deutschland und senkte dadurch die Produktionskosten enorm, weil die Bilder nicht mehr aufwendig gespiegelt werden mussten.
- Die überaus beliebte Manga Comic Con findet seit dem Jahr zweitausendvierzehn als ein völlig eigenständiger Bereich innerhalb der Leipziger Buchmesse statt und zieht jährlich zehntausende begeisterte Fans in überaus aufwendigen Kostümen an.
- Südkoreanische Comics werden Manhwa genannt und meistens komplett in Farbe gezeichnet, weil sie als sogenannte Webtoons primär für das digitale Lesen auf dem Smartphone optimiert sind und erst später als gedrucktes Buch erscheinen.
- Der allererste Asterix Comic erschien bereits im Jahr neunzehnhundertneunundfünfzig in Frankreich und die cleveren Gallier wurden seitdem weltweit in über einhundert verschiedene Sprachen sowie unzählige regionale Dialekte übersetzt.
Danke fürs Lesen!
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