Vielleicht kennt ihr das Gefühl, wenn ein Spiel euch eigentlich zu groß wirkt für euren ohnehin schon vollen Alltag. Und dann sitzt ihr plötzlich doch wieder bis spät in die Nacht vor dem Bildschirm. Genau das passiert gerade vielen mit einem Titel, der von einigen bereits als bestes Rollenspiel seit über zehn Jahren gefeiert wird.
Ein Kritiker spricht vom Spiel des Jahrzehnts
Gemeint ist Kingdom Come: Deliverance 2. In einem aktuellen Beitrag bei GamePro beschreibt Autor Frederic Hamann das Spiel als sein persönliches Highlight 2025, vielleicht sogar als Spiel des Jahrzehnts. Und das will etwas heißen.
Besonders spannend ist dabei, dass er Teil eins nicht vollständig gespielt hat. Statt dutzende Stunden nachzuholen, sah er sich eine Zusammenfassung an und startete direkt mit dem neuen Ableger. Sein Fazit: Der zweite Teil ist deutlich zugänglicher, ohne seine Tiefe zu verlieren. Ihr müsst also keine Veteranen sein, um einzusteigen.
Mittelalter zum Anfassen statt Kulisse
Das Spiel entführt euch erneut ins mittelalterliche Böhmen, also ins heutige Tschechien. Entwickler Warhorse Studios setzt auf historische Glaubwürdigkeit statt Fantasy Feuerwerk. Häuser, Kleidung, Landschaften und selbst soziale Strukturen wirken greifbar.
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Diese Open World ist keine bloße Tapete. Sie reagiert auf euch. Seid ihr verdreckt, rümpft der Adel die Nase. Klebt noch Blut an eurer Rüstung, drücken Händler die Preise. Euer Ruf entscheidet, welche Türen sich öffnen und welche verschlossen bleiben. Das sorgt dafür, dass ihr euch nicht wie ein unantastbarer Held fühlt, sondern wie ein Mensch in einer rauen Epoche.
Anspruchsvoll, unbequem und genau deshalb so gut
Auch spielerisch verlangt euch das Abenteuer einiges ab. Das Kampfsystem ist taktisch und fordernd. Zu Beginn bekommt ihr selbst von einfachen Banditen Probleme. Mit Übung wächst ihr jedoch hinein und merkt, wie sehr euch das Spiel für Geduld belohnt.
Ihr müsst essen, schlafen, auf eure Kleidung achten und sogar das Wetter im Blick behalten. Dunkle Stoffe helfen beim Schleichen, auffällige Farben beeindrucken den Adel. Diese Mechaniken sind anstrengend, aber genau darin liegt der Reiz. Statt euch mit Machtfantasien zu überhäufen, fordert euch das Spiel heraus, aufmerksam zu sein.
Hochwertige DLCs erweitern das Erlebnis
Besonders hervorgehoben werden die Erweiterungen. Im DLC Legacy of the Forge restauriert ihr in Kuttenberg eure eigene Schmiede und baut sie samt Rufsystem wieder auf. Schmieden fühlt sich dabei nicht wie ein Minispiel an, sondern wie ein echter Handwerksprozess.
Noch atmosphärischer wird es mit Mysteria Ecclesiae. Hier verschlägt es euch ins Sedletzer Kloster, wo Lichtstimmung, Architektur und Klangkulisse eine fast greifbare Dichte erzeugen. Diese Inhalte zeigen, wie viel Liebe im Detail steckt.
Am Ende bleibt ein Eindruck, den man heute selten bekommt. Ein Spiel, das euch fordert, euch manchmal frustriert und euch dennoch nicht loslässt. Wenn ihr Rollenspiele liebt und bereit seid, Zeit zu investieren, dann könnte dieses Mittelalter Abenteuer genau das sein, das euch noch lange im Gedächtnis bleibt.
Wusstet ihr schon?
- Kingdom Come: Deliverance wurde 2018 nach einer erfolgreichen Kickstarter Kampagne veröffentlicht. Das Projekt sammelte damals über 1 Million Pfund ein und galt als eines der ambitioniertesten historisch realistischen Rollenspiele seiner Zeit.
- Entwickler Warhorse Studios sitzt in Prag und legt großen Wert auf historische Authentizität. Für die Reihe arbeiteten die Entwickler mit Historikern zusammen, damit Architektur, Kleidung und gesellschaftliche Strukturen möglichst nah an der Realität des 15. Jahrhunderts bleiben.
- Das reale Sedletzer Beinhaus in Kutná Hora, das als Inspiration für das Kloster im DLC Mysteria Ecclesiae dient, gehört heute zum UNESCO Weltkulturerbe. Seine mit menschlichen Knochen gestaltete Kapelle zieht jedes Jahr Tausende Besucher an.
- Das Kampfsystem der Reihe basiert lose auf historischen Fechttechniken. Dabei orientieren sich Animationen und Bewegungsabläufe an echten europäischen Schwertkampfstilen, was die Gefechte deutlich taktischer macht als in vielen anderen Rollenspielen.



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