Satire oder Rufschädigung? 400-Millionen-Klage erschüttert Hollywood

Eine Comicfigur sorgt für echten Zoff hinter den Kulissen. Um einen Marvel-Film, einen satirischen Charakter und schwere Vorwürfe entspinnt sich ein Rechtsstreit, der Hollywood gerade ordentlich durchschüttelt.

Satire oder Rufschädigung? 400-Millionen-Klage erschüttert Hollywood

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Was nach einem typischen Deadpool-Gag klingt, endet plötzlich vor Gericht. Ein Nebencharakter aus einem Marvel-Film bringt einen Rechtsstreit ins Rollen, der deutlich macht, wie schmal der Grat zwischen Humor, Provokation und persönlicher Grenze sein kann.

Eine Klage mit Sprengkraft

Im Zentrum der Debatte steht eine 400-Millionen-Dollar-Klage, die Schauspieler Justin Baldoni gegen Ryan Reynolds und Blake Lively eingereicht hat. Der Vorwurf: Eine Filmfigur mache sich gezielt über ihn lustig und schade seinem Ruf. Der Konflikt hat eine längere Vorgeschichte. Baldoni und Lively arbeiteten 2024 gemeinsam an dem Film „Nur noch ein einziges Mal“. Danach eskalierte ein öffentlicher Streit, in dem Lively Baldoni sexuelle Belästigung und Rufschädigung vorwarf. Baldoni konterte mit einer Verleumdungsklage und zieht nun auch Reynolds mit hinein.

Was hat Nicepool damit zu tun?

Der juristische Zankapfel hört auf den Namen Nicepool, eine Multiversums-Variante von Deadpool aus dem Film Deadpool & Wolverine. Laut Baldoni basiert diese Figur auf seiner Person und stelle ihn satirisch bloß. Besonders brisant: Baldoni fordert von Disney und Marvel sämtliche Unterlagen zur Entstehung des Charakters. Er will belegen, dass Nicepool gezielt nach den Vorwürfen gegen ihn umgestaltet wurde. Dabei geht es nicht um Superkräfte oder Kostüme, sondern um Anspielungen, Dialoge und Tonfall.

Drehbuch, Nachdrehs und neue Deutungen

Berichte des Hollywood Reporter zeichnen ein komplexeres Bild. Demnach existierte Nicepool bereits lange vor dem Streit. Im ursprünglichen Drehbuch wurde die Figur sogar explizit mit Ryan Reynolds’ Aussehen verglichen: makellos, muskulös, fast engelsgleich. Allerdings kam es im November 2023 zu umfangreichen Nachdrehs. Laut Baldonis Anwalt Bryan Freedman sei das Verhältnis zwischen Baldoni und Lively zu diesem Zeitpunkt bereits stark belastet gewesen. Einige Dialogzeilen könnten deshalb rückblickend als Seitenhiebe gelesen werden. Ob das Absicht oder Interpretation ist, bleibt einer der Knackpunkte der Klage.

Wenn Satire persönlich wird

Besonders diskutiert werden Dialoge, in denen Nicepool sich selbst als Feminist bezeichnet und beiläufig über Schwangerschaft und Körper spricht. Baldoni sieht darin Anspielungen auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe von Bodyshaming und unangemessenem Verhalten. Zusätzlich spielt Blake Lively im Film die Figur Ladypool, ein Detail, das die Debatte weiter anheizt. Die Klage geht sogar noch weiter: Baldoni fordert Einsicht in alle Beschwerden wegen (sexueller) Belästigung, die jemals gegen Ryan Reynolds erhoben worden sein sollen, unabhängig von der Quelle.

Ein Streit mit offenem Ausgang

Ob die Klage Erfolg haben wird, ist derzeit völlig offen. Ebenso unklar ist, wie Disney und Marvel auf den Vorwurf reagieren, eine reale Person satirisch diffamiert zu haben. Sicher ist nur: Der Fall wirft eine grundsätzliche Frage auf. Wo endet kreative Freiheit und wo beginnt Rufschädigung? Hollywood liebt Satire, doch wenn sie plötzlich reale Konsequenzen hat, wird aus einem Witz schnell bitterer Ernst.

Wusstet ihr schon?

In den USA sind Klagen wegen angeblicher Verleumdung durch fiktionale Figuren extrem schwer durchzusetzen. Kläger müssen nachweisen, dass eine Figur eindeutig auf ihrer Person basiert und nachweislich mit schädigender Absicht geschaffen wurde – eine hohe juristische Hürde, besonders bei satirischen Werken wie Superheldenfilmen.

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