Spanische Serien sind auf Netflix längst mehr als ein Geheimtipp. Mit Stadt der Schatten gesellt sich nun ein weiterer Titel dazu, der weniger auf schnelle Effekte setzt, sondern euch langsam in seinen Bann zieht. Ein Krimi, der nicht hetzt, sondern zieht – wie ein dichter Nebel über den Straßen Barcelonas.
Ein Mord an einem ikonischen Ort
Im Zentrum der Handlung steht ein verstörender Fund: An der Fassade der berühmten Casa Milà – vielen besser bekannt als La Pedrera – wird eine verbrannte Leiche entdeckt. Ein Tatort, der kaum öffentlichkeitswirksamer sein könnte und sofort klarmacht, welchen Ton die Serie anschlägt.
Mit diesem Ereignis zieht euch „Stadt der Schatten“ direkt hinein in eine Geschichte, die weniger an klassisches Whodunit erinnert und mehr an einen langsamen Abstieg in die dunkleren Ecken einer pulsierenden Metropole. Barcelona zeigt sich hier nicht als Postkartenmotiv, sondern als Ort voller Risse, Erinnerungen und verdrängter Wahrheiten. Genau diese Stimmung trägt die Serie über weite Strecken – ruhig, schwer und manchmal unangenehm nah.
Ermittler mit Bruchstellen statt Überflieger
Statt glänzender Helden stehen Figuren im Fokus, die selbst kaum Halt finden. Milo Malart, gespielt von Isak Férriz, ist ein suspendierter Ermittler, der eigentlich längst draußen sein sollte. Wegen Ungehorsams entlassen, wird er dennoch zurückgeholt – vielleicht, weil niemand sonst tief genug graben will.
An seiner Seite steht Kommissarin Rebeca Garrido, verkörpert von Verónica Echegui. Sie ist entschlossen, wachsam und deutlich weniger zerrissen als ihr Partner, aber keineswegs frei von eigenen Konflikten. Das Zusammenspiel der beiden lebt von Spannungen, unausgesprochenen Vorwürfen und gegenseitigem Misstrauen – genau das macht ihre Ermittlungen so glaubwürdig.
Atmosphäre statt Action
Wenn ihr auf Verfolgungsjagden im Minutentakt hofft, seid ihr hier falsch. „Stadt der Schatten“ entscheidet sich bewusst für einen anderen Weg. Die Serie setzt auf eine dichte, beinahe erdrückende Atmosphäre, auf lange Blicke, dunkle Bilder und das Gefühl, dass unter jeder Szene noch etwas Ungesagtes lauert.
Diese ruhige Erzählweise teilt das Publikum, kommt bei Kritikern jedoch überwiegend gut an. Gelobt werden vor allem die schauspielerischen Leistungen und die visuelle Inszenierung. Die Serie will kein Wohlfühlkrimi sein – eher ein Spiegel, der euch zwingt, genauer hinzusehen. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt.
Ein weiterer Erfolg für spanische Netflix-Serien
Verantwortlich für den Ton und die Richtung ist Showrunner Jorge Torregrossa, der mit „Stadt der Schatten“ einmal mehr beweist, warum spanische Produktionen auf Netflix international so gut funktionieren. Die Serie startete am 12. Dezember 2025 und schaffte es innerhalb kurzer Zeit in mehrere Ländercharts.
Ob sie euch begeistert oder eher herausfordert, müsst ihr selbst entscheiden. Klar ist aber: Diese Serie will nicht nebenbei laufen. Sie verlangt Aufmerksamkeit – und genau darin liegt ihre größte Stärke. Wenn ihr Krimis mögt, die mehr flüstern als schreien, solltet ihr hier unbedingt einen Blick riskieren.
Wusstet ihr schon?
- Die Casa Milà (La Pedrera), die in „Stadt der Schatten“ eine zentrale Rolle spielt, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt zu den bekanntesten Bauwerken von Antoni Gaudí. Sie wurde bereits mehrfach als Film- und Serienkulisse genutzt – allerdings selten in so düsterem Kontext.
- Außerdem spannend: Spanische Krimi- und Thriller-Serien zählen seit Jahren zu den erfolgreichsten nicht-englischsprachigen Produktionen auf Netflix. Titel wie Haus des Geldes oder Der unsichtbare Gast haben international den Weg für ernstere, atmosphärische Stoffe wie „Stadt der Schatten“ geebnet.



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