Die Historie der Vampire als „unruhige Tote“
John Blair, Historiker und Archäologe, entwirft in seinem Buch „Killing the Dead: Vampire Epidemics from Mesopotamia to the New World“ eine umfassende Geschichte der Vampire. Dabei zeigt er, dass der Glaube an die „unruhigen Toten“ keineswegs nur europäisch oder modern ist. Bereits im frühen 18. Jahrhundert wurde der Begriff „Vampire“ in England durch Berichte über eine Panik in Serbien bekannt, wie der Fall des Bauern Peter Blagojević aus dem Jahr 1725 zeigt. Blagojević soll nach seinem Tod offenbar aus dem Grab gestiegen sein, um seine Frau zu besuchen und in der Nacht neun Menschen zu töten. Blair weist aber darauf hin, dass solche Vorstellungen von „gefährlichen Leichen“ in vielen Kulturen weltweit zu finden sind und oft über Jahrhunderte hinweg schlummerten, bis sie in „Epidemien“ wieder aufflammten.
Vampire, Zombies und der Mythos der „restlosen Toten“
Interessant ist Blairs Einordnung der klassischen Horror-Kategorien. Die heutige Unterscheidung zwischen Zombies, Vampiren und ähnlichen Kreaturen ist relativ modern. Blair fasst sie alle als Variationen eines alten Themas zusammen: Tote, die wieder auferstehen und die Lebenden verfolgen. Er nennt sie „dangerous corpses“, „restless dead“ oder „walking dead“. Dieses Konzept verbindet historische Realität mit Mythologie und erklärt, warum solche Vorstellungen immer wieder auftauchen. Besonders spannend: Blair beschreibt das Töten von vermeintlich untoten Leichen als eine Art therapeutisches Ritual, das zwar grausam wirkt, aber den Menschen danach ein Gefühl der Sicherheit geben soll – eine Praxis, die in einigen ländlichen Regionen bis heute fortbesteht.
Moderne Vampire und der Mythos um Dracula
Für Fans klassischer Vampirgeschichten gibt es in Blairs Buch auch eine interessante Perspektive auf Bram Stokers Dracula. Blair kritisiert, dass der berühmte Roman sehr weit von den tatsächlichen historischen Vorstellungen von „dangerous corpses“ entfernt ist. Er bezeichnet Stokers Werk sogar als „irreführend“, was vor allem für jene überraschend sein dürfte, die Dracula als Inbegriff des Vampirs sehen. Diese Abgrenzung macht „Killing the Dead“ besonders relevant für alle, die verstehen möchten, wie sich moderne Vampir-Tropes aus realen historischen und kulturellen Wurzeln entwickelt haben – eine Brücke, die sowohl Thriller-, Horror- als auch Romantasy-Fans begeistert.
Das Buch „Killing the Dead: Vampire Epidemics from Mesopotamia to the New World“ von John Blair ist im Princeton Verlag erschienen und kostet 30 Pfund. Es bietet eine tiefgehende, blutig-gruselige Erkundung der Vampirgeschichte, die weit über den Mythos hinausgeht, den wir aus Büchern und Serien kennen.
Was denkt ihr? Wie wichtig ist es für euch, die historischen Wurzeln von Vampirgeschichten zu kennen? Und welche Vampire faszinieren euch am meisten – die klassischen Blutsauger oder die „unruhigen Toten“ der Legenden?
Wusstet ihr schon?
- …dass viele der historischen „vampirischen Gestalten“, die Blair beschreibt, völlig anders sind als die klassischen Blutsauger aus der Popkultur?
In vielen Kulturen glaubte man, dass tote Körper körperlich zurückkehren oder schaden, nicht als romantisierte Untote — oft war die Angst mit gesellschaftlichen Krisen, sozialen Umbrüchen oder religiösen Veränderungen verbunden.



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