Wenn ihr beim morgendlichen Check eurer Mails oder beim schnellen Blick auf die Weltkarte ständig das Gefühl habt, dass eure Daten eine weite Reise über den Atlantik antreten, seid ihr damit absolut nicht allein. Die Abhängigkeit von den großen Technikriesen aus den USA fühlt sich für viele mittlerweile wie ein drückendes Damoklesschwert an, das über der privaten Privatsphäre schwebt. Doch anstatt nur trübsinnig aus dem Fenster zu starren, hat ein findiger Softwareentwickler aus Österreich die Ärmel hochgekrempelt. Mit seinem Projekt European Alternatives liefert er euch eine beeindruckende Liste voller digitaler Rettungsboote, die allesamt aus europäischer Produktion stammen. Wir schauen uns heute gemeinsam an, wie ihr Google und Co. den Rücken kehren könnt und welche Schätze direkt vor eurer Haustür auf euch warten.
Strenge Regeln für echte europäische Vielfalt
Der Kopf hinter dieser großartigen Idee ist Constantin Graf. Er hat eine Plattform geschaffen, die völlig ohne kommerzielle Hintergedanken funktioniert und mittlerweile rund neunzig verschiedene Dienste auflistet. Damit ein Anbieter auf dieser exklusiven Liste landet, muss er extrem strenge Kriterien erfüllen. Die jeweilige Firma oder deren Muttergesellschaft muss ihren Hauptsitz zwingend in einem Land der EU, des EWR oder beispielsweise in Großbritannien haben. Ein einfacher Serverstandort in Europa reicht hier bei weitem nicht aus, wenn die Fäden am Ende doch wieder in Übersee zusammenlaufen.
Diese Konsequenz sorgt dafür, dass ihr euch auf die Herkunft der Dienste wirklich verlassen könnt. Die einzige Ausnahme bilden dabei quelloffene Projekte, die ihr auf euren eigenen Rechnern hosten könnt. Das Ziel ist dabei so simpel wie genial. Es geht schlichtweg darum, die heimische digitale Wirtschaft zu stärken und euch gleichzeitig aus der drückenden Umklammerung der unberechenbaren US-Konzerne zu befreien. Das Beste daran ist die Übersichtlichkeit, denn die Website führt euch zielsicher durch Kategorien wie E-Mail, Navigation oder Cloud-Speicher.
Von Posteo bis DeepL ist alles dabei
Die Auswahl an praktischen Alternativen ist dabei wesentlich größer, als ihr es vermutlich auf den ersten Blick vermuten würdet. Wer beispielsweise keine Lust mehr auf Gmail hat, findet gleich zwanzig europäische Lösungen wie Posteo oder mail.de direkt aus Deutschland. Selbst für den allgegenwärtigen Google Übersetzer gibt es exzellenten Ersatz. Das Kölner Unternehmen DeepL gilt unter Experten schon lange als der wahre König der präzisen Sprachübersetzung und zeigt der Konkurrenz aus dem Silicon Valley regelmäßig, wo der Hammer hängt.
Auch in Sachen Kommunikation und künstliche Intelligenz müsst ihr keinesfalls auf Komfort verzichten. Während Threema aus der Schweiz als besonders sichere Bastion gegen WhatsApp gilt, schicken Länder wie Frankreich mit Mistral AI oder die Proton AG mit dem Modell Lumo starke Antworten auf ChatGPT ins Rennen. Sogar für komplexe Firmenanwendungen wie Slack oder Microsoft Teams bietet das Portal jeweils rund ein Dutzend europäische Vorschläge an. Ihr habt also die Qual der Wahl und könnt eure digitale Identität Stück für Stück wieder nach Hause holen.
Ein kleiner Testlauf vor dem großen Umzug
Bevor ihr nun voller Euphorie alle eure alten Accounts löscht, solltet ihr jedoch einen kühlen Kopf bewahren. Das Projekt European Alternatives listet die Dienste zwar übersichtlich auf, führt jedoch keine eigenen Produkttests durch. Das bedeutet für euch, dass ihr die Qualität und Funktionen der einzelnen Tools vorab selbst ein wenig unter die Lupe nehmen solltet. Nicht jede Alternative passt sofort perfekt zu euren persönlichen Bedürfnissen oder Arbeitsabläufen.
Ein paralleler Betrieb über einen gewissen Zeitraum ist hier meistens die klügste Strategie. So könnt ihr in aller Ruhe ausprobieren, ob der neue Cloud-Speicher oder der alternative Messenger wirklich euren Alltag bereichert. Falls ein europäisches Produkt noch nicht ganz den gewohnten Standard erreicht, ist es völlig legitim, vorerst beim alten Dienst zu bleiben und auf künftige Updates zu warten. Die Richtung stimmt jedoch und dank solcher Initiativen liegt eure digitale Souveränität endlich wieder in euren eigenen Händen.
Wusstet ihr schon?
- Das Kölner Unternehmen DeepL nutzt für seine Übersetzungen extrem fortschrittliche neuronale Netze und wird weltweit oft als deutlich präziser sowie natürlicher im Satzbau bewertet als der große Konkurrent von Google.
- Der sichere Messenger Threema aus der Schweiz finanziert sich ausschließlich über den einmaligen Kaufpreis der App und verzichtet somit komplett auf das Sammeln oder den Verkauf von Nutzerdaten zu Werbezwecken.
- Das Projekt European Alternatives wurde von Constantin Graf als Hobby gestartet, weil er die wachsende Abhängigkeit der europäischen Wirtschaft von ausländischen Cloud-Anbietern und Software-Giganten kritisch hinterfragen wollte.
- Viele der gelisteten E-Mail-Dienste aus Deutschland wie zum Beispiel Posteo setzen zu einhundert Prozent auf echten Ökostrom und bieten ihren Kunden zudem die Möglichkeit, das Postfach komplett anonym zu bezahlen.
Danke fürs Lesen!
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