Die Vampir-Saga der 2000er erlebt ein Comeback. Doch Netflix erzählt nicht einfach noch einmal dieselbe Geschichte. Die geplante animierte Serie zu Twilight nimmt euch mit in den Kopf einer Figur, die bisher oft missverstanden wurde – und genau darin liegt ihr Reiz.
Edwards Sicht: Die bekannte Story neu gedacht
Statt Bella Swan steht diesmal Edward Cullen im Mittelpunkt. Als Vorlage dient der Roman Midnight Sun, in dem Stephenie Meyer die Ereignisse des ersten Twilight-Buchs konsequent aus Edwards Perspektive schildert.
Für euch bedeutet das: weniger Außenwirkung, mehr Innenleben. Edward ist hier kein geheimnisvoller Traumboy, sondern ein zutiefst zerrissener Vampir, der mit Selbsthass, moralischen Konflikten und obsessiven Gedanken kämpft. Gerade diese inneren Monologe gaben dem Buch seinen eigenen Ton – und sollen nun erstmals visuell umgesetzt werden.
Warum Edwards Gedankenwelt entscheidend ist
Die größte Herausforderung der Serie liegt genau dort: in Edwards Kopf. Seine Fähigkeit, Gedanken zu lesen, prägt die gesamte Handlung. Gespräche innerhalb der Cullen-Familie laufen oft telepathisch ab, inklusive stiller Diskussionen darüber, ob man gerade eine ganze Schulklasse auslöschen sollte.
Auch seine Verbindung zu Alice basiert auf dieser Fähigkeit, da Edward ihre Visionen direkt wahrnehmen kann. Ohne diese Elemente würde die Geschichte an Tiefe verlieren – und Edwards Verhalten gegenüber Bella Swan wäre kaum nachvollziehbar. Die Serie muss also Wege finden, Voice-over, Gedankenbilder und Telepathie einzusetzen, ohne ins unfreiwillig Komische abzurutschen.
Animation als Chance statt Kompromiss
Dass Netflix auf ein animiertes Format setzt, ist kein Zufall. Animation erlaubt es, innere Zustände, Fantasien und Übertreibungen sichtbar zu machen, ohne an Realismus gebunden zu sein. Edwards düstere Gewaltfantasien, sein Selbstbild als „Monster“ und die überzeichnete Vampir-Ästhetik lassen sich so stilisiert darstellen.
Die Macher könnten bewusst mit den „cheesy“ Elementen der Vorlage spielen: glitzernde Vampire im Sonnenlicht, überhöhte Emotionen und morbide Gedankenspiele. Statt Prestige-Drama entsteht so vielleicht eine Serie, die ihre eigene Absurdität kennt – und genau daraus Stärke zieht.
Abgrenzung zu den Filmen
Die neue Serie steht unabhängig von den bekannten Filmen mit Kristen Stewart und Robert Pattinson. Sie erzählt keine alternative Version, sondern eine Ergänzung. Szenen, die ihr glaubt zu kennen, bekommen einen neuen Unterton – dunkler, verzweifelter, manchmal unangenehm ehrlich.
Ob das allen gefällt, ist offen. Klar ist aber: Netflix traut sich hier etwas. Statt Nostalgie pur gibt es einen Perspektivwechsel, der alte Figuren neu bewertet. Wenn ihr Twilight damals geliebt oder gehasst habt – diese Serie könnte euch überraschen.
Wusstet ihr schon?
- Der Roman Midnight Sun erschien 2020, also 15 Jahre nach dem ersten Twilight-Band, und war jahrelang eines der meistgewünschten Bücher der Fangemeinde. Stephenie Meyer hatte das Projekt ursprünglich abgebrochen, nachdem ein früher Entwurf geleakt worden war.
- Außerdem spannend: Edwards Fähigkeit, Gedanken zu lesen, wurde in den Filmen stark heruntergespielt. Viele seiner Entscheidungen – besonders seine extreme Kontrolle und sein Wunsch, Bella von der Vampirwelt fernzuhalten – sind erst durch seine inneren Monologe wirklich nachvollziehbar.



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